Wer in Fiestel Richtung Westen in Richtung Destel fährt, sieht vor der Überquerung der Aue die Ruine der Ellerburg auf der linken Seite liegen. Diese Gebäudereste haben eine lange und bewegte Geschichte hinter sich.

Die Ellerburg ist eine ehemalige Wasserburg, die lt. Eintrag in die Denkmalliste seit dem 13. Jahrhundert urkundlich bezeugt ist. Sie war ursprünglich eine hufeisenförmige Anlage auf einer Insel und war im Eigentum der Familie von Münch. Die Ellerburg gehörte zum ehemaligen Fürstentum Minden. Bedeutung fand die Ellerburg durch ihre Lage an der Westgrenze des Fürstentums als Teil der Grenzbefestigung zu Osnabrück. Sie gehörte zu einer Befestigungskette von zahlreichen kleinen Wasserburgen. Darüber hinaus zählte die Ellerburg bis ins 19. Jahrhundert zu den landtagsfähigen Gütern.

Durch die große Gebietsreform 1831/1832 in Westfalen wurde die in unmittelbarer Nachbarschaft gelegene Stadt Lübbecke zum Hauptort des Kreises und Sitz des landrätlichen Büros. Der neu gebildete Kreis verlegte seinen Amtssitz unter seinem Landrat Adolf von der Horst in die Ellerburg. Adolf von der Horst war seit 1838 Landrat des Kreises Lübbecke, jedoch endete die Funktion der Ellerburg als „Landratsamt“ bereits 1840, als die Familie auf das nahegelegene Gut Hollwinkel verzog. Die Ellerburg war von 1825 bis zur Übernahme durch die Stadt Espelkamp im Besitz der Familie von der Horst.

Das Urkataster zeigt die Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Ellerburg in der Nachbarschaft zur „Großen Aue“. Der Zugang zur Ellerburg wurde vom Torhaus geprägt. Reste davon wurden beim Ausbau der Gestringer Straße gefunden. Links der Zuwegung standen die Wirtschaftsgebäude in denen u.a. das Vieh untergebracht war. Danach kam die Rentei. An der Stelle steht heute ein Fachwerkhaus, dass als Wohngebäude genutzt wird. Über eine Brücke kam man zur eigentlichen Burg mit dem Herrschaftshaus aus dem 16. Jahrhundert und dem kleinen Burghaus. Nördlich der Burg und heute durch die Gestringer Straße getrennt, steht die 1781 erbaute Ellerburger Mühle.Von den genannten Gebäuden war bis vor einigen Jahren nur das Herrschaftshaus zweifelsfrei erhalten. Der Wirtschaftsanbau an der Westseite mit befahrbarer Diele soll 1834 errichtet worden sein, ist jedoch als Bestand bereits im Urkataster dargestellt. Die letzte Gesamtrenovierung von „Haupt- und Nebengebäude“ fand in den Jahren 1911/1912 statt.

Die seit 1986 unter Denkmalschutz stehende Ellerburg, ist seit September 2004 im Eigentum der Stadt Espelkamp. Diese Burganlage ist für die Stadt Espelkamp und dem Ortsteil Fiestel von besonderer Bedeutung. In den vergangenen 20 Jahren hat es unterschiedliche Nutzungs- und Sanierungskonzepte gegeben, die nicht realisiert wurden. Durch einen Bürgerentscheid von 1997 wurde der Stadt Espelkamp untersagt das Gebäude zu erwerben und zu sanieren. Damit konnte die letzte Chance zur Erhaltung der Ellerburg nicht genutzt werden und der 2012 beschlossene Abriss, der ab Mai 2014 begann, war die Konsequenz.

Um die Ellerburg jedoch nicht vollständig von der Landkarte verschwinden zu lassen und die Erinnerung an die historische Anlage zu bewahren, wurde die Entstehung einer Parklandschaft geplant.

Im Rahmen der Stadtführungen Espelkamp war  die erste Führung auf dem noch in der Gestaltung befindlichen Geländer der Ellerburg für den 20.07.2019 im Kalender vorgesehen. Bald soll das Gelände fertig gestaltet und dann für Jedermann zugänglich sein.

 

 

 

Aktuell sieht das Gelände so aus:

Quelle: Heimatverein Fiestel e.V. / Bosse

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